der 1. winter im sommerhaus..


momentaufnahmen..
rückblickend betrachtet war der erste winter fast noch ok 😉 ..im erlebten moment selbst empfand man das allerdings etwas anders..noch abgesichert durch minimale finanzielle rücklagen, rechneten wir durch, wie lange unser erspartes wohl noch reichen würde..wir stellten fest, das holz kaufen- um zu heizen- nicht im rahmen unserer möglichkeiten lag..das sommerhaus hat keine heizung, bietet aber einen kleinen kamin..der ist allerdings ganz und gar nicht als dauerbrenner gedacht, eher so ein dekokamin für knisterromantische stunden am abend ..wir hatten auch beide keine konkrete vorstellung von einem winter im sommerhaus..sommerhäuser sind auf zug gebaut, bieten also viele ritzen für den wind- beabsichtigt, denn im griechisch heissen sommer macht das durchaus sinn..das haus steht auf einem kleinen berg, 800 meter weiter runter ist das meer und so quasi hinter dem haus- weiter ins landesinnere- beginnt natur pur mit dazwischen liegenden olivenplantagen.. das bot die option, holz zu sammeln und war dann unser wärmender winterplan ..die strassen hier oben bei uns sind keine asphaltierten, sondern sand-schotterwege.. wir machten uns also täglich zu fuss (wir haben nur ein motorrad, nicht zweckdienlich zum holztransport) auf ins hinterland und begannen, holz zu sammeln..schnell haben wir gelernt, das unser schon gesammelter minivorrat in wirklichkeit gar kein vorrat ist.. der kamin verbrannte das holz schneller, als wir gucken konnten, gab aber nicht wirklich wärme ab..anfangs fanden wir das nicht so tragisch, wir haben halt ein bisschen mehr angezogen 😉 ..dann begann die feuchte winterperiode, in der es immer sehr viel regnet..meteorlogen hatten einen der strengsten winter seit 20 jahre voraus gesagt, wir hofften, das dies nicht den tatsachen entsprechen würde.. je mehr es regnete, desto mehr verwandelte sich die sandschotterstrasse in eine matschkombination in der man knöcheltief versank.. netterweise hielt einen der matsch noch möglichst fest und manchmal blieb beim versuch, den fuss aus der matsche zu ziehen, der schuh einfach stecken und man latschte den nächsten schritt unverhofft in socken..zuerst konnten wir darüber noch lachen, später waren wir wegen solchen kleinigkeiten völlig entnervt.. mit dem regen stieg die luftfeuchtigkeit und das meer vor der haustüre unterstützte das noch..die feuchtigkeit hielt einzug im sommerhaus, krabbelte in jede ritze und liess sich nieder..keine chance etwas dagegen zu tun..nach kurzer zeit war alles durchfeuchtet: die klamotten im kleiderschrank, das bettzeug, die matraze, sofa- eben alles..kleine wasserperlen liefen die wände und fenster herunter, bildeten pfützen am boden..die nässe machte die kälte noch kälter..ich glaube, ich habe noch niemals in meinem leben dauerhaft (also rund um die uhr) so sehr gefroren, wie in diesem winter..der winter entwickelte sich dann leider auch als ungewöhnlich kalt für griechenland und die anhaltende krise in griechenland sich weiterhin menschenunwürdig ..aufgrund der kälte und fortschreitender verarmung der bevölkerung fingen die menschen an, alles was ging in ihren kaminen zu verbrennen für ein paar wärmende stunden..hier verfügt noch fast jedes haus/wohnung über einen kamin..als folge davon hing ein beissender smog über den städten, der einem fast den atem nahm..häuser gingen in flammen auf wegen dem unsachgemässen verbrennen im kamin, es gab rauchvergiftungen- der winter forderte todesopfer.. mich hat das mehr als nur betroffen und hilflos gemacht..meine tränen mischten sich mit den regentropfen..
wir stapften weiterhin täglich ins hinterland für holz und stellten fest, wir waren nicht die einzigen, die holz sammeln gingen in aller regelmässigkeit.. manchmal konnten wir die anderen nur hören, wie die äxte nieder schlugen oder das gebrumme der motorsägen.. andere male fuhren sie an uns vorbei mit ihren pickups, langsamer werdend, uns anstarrend, aber niemals anhaltend.. anfangs ging mir das geglotze auf den geist und ich dachte : „habt ihr noch niemals vorher in eurem leben holz schleppende menschen gesehen??“ ..später waren die mir alle egal und ihre blicke bedeutungslos..
eine zeitlang musste georgios allein holz holen gehen, mein rücken hatte mich komplett lahm gelegt, nur noch krabbeln war möglich..mangels krankenversicherung gingen wir nicht zum arzt, davon ab wären wir zu dem zeitpunkt mit dem motorrad eh nicht mehr vom berg herunter gekommen wegen dieser dauerhaften vermatschung der strasse..ich hatte georgios gesagt, er soll einfach kein holz sammeln gehen allein aber er wollte mir diese 2 stunden wärmequelle am tag (für mehr hat unsere sammelei nicht gereicht) bei den rückenschmerzen nicht vorenthalten..er zog also täglich allein los..an einem dieser tage fing ich an, mir sorgen zu machen..das zeitfenster, indem georgios unterwegs war zog sich zu sehr in die länge- völlig untypisch..ich wurde nervös, konnte aber nicht suchen gehen, lag ja mehr oder weniger bewegungslos auf dem sofa..nach einer gefühlten ewigkeit hörte ich die vetrauten schritte die treppe draussen herunter zum haus kommen..georgios kam zur tür herein mit einer dicken, blutenden platzwunde am kopf.. er war vornüber in ein mehrere meter tiefes loch gestürzt, das verdeckt gewesen ist von überwuchernden büschen, gestrüpp und holzstämmen..zu seinem glück hatte sich sein fuss zwischen 2 stämmen verhakt beim sturz und hat ihn davor bewahrt, gänzlich ins loch runter zu kacheln..wer georgios kennt weiss, das er einer dieser tiefenruhigen menschen ist und genau das hat ihm geholfen, in dieser kopfüber hängenden situation..mit ruhe und geduld hat er sich stück für stück aus der position wieder auf sicheren boden bringen können.. danach beschlossen wir, nur noch zu zweit holz zu sammeln..
gegenüber von unserem haus liess seit dem sommer ein russe sein neues sommerdomizil bauen..wann immer es das wetter zuliess, waren die arbeiter auch im winter auf der baustelle.. alle bauarbeiter waren aus bulgarien..nette kerle und wir grüssten uns jeden morgen mit einem lächeln und zuwinken ..unsere holzschlepperei blieb ihnen natürlich nicht verborgen..eines tages kam der vorarbeiter zu uns und sagte, das bei fertigstellung des hauses eine menge holz übrig bleiben würde und ob wir das haben wollten..wenn ja, würden sie uns das holz vor die türe werfen, das würde allerdings noch ein weilchen dauern, aber einen vorrat für den nächsten winter schaffen..JA !!! wir möchten !!!! ..2 monate später bekamen wir das übrig gebliebene bauholz (unbehandeltes holz!!) und stapelten es vor unserem haus..das war für uns eine unglaubliche hilfe, die einfach so passierte, von mensch zu mensch..als krasser kontrast dazu kam dann später einer unserer sommernachbarn und meinte: das holz da muss weg, das gefällt mir nicht und sieht unmöglich aus! ..einer dieser menschen, die nur ihr ureigenstes kästchen sehen indem sie leben und sich allerhöchstens gedanken machen um ihren eigenen hintern.. wenn der dann auch nur annähernd in gefahr ist, wird geschrien was das zeug hält ..vor allem meist direkt nach solidarität- kann ja nicht sein das man etwas verlieren soll ..wo kämen wir denn da hin ?? ..
ende februar 2013 gab es die ersten, wirklich wärmenden sonnenstrahlen..ich bin raus gestürzt, hab getanzt, gelacht und gesungen vor freude.. es war mir völlig egal was wohl andere gerade über mich denken..ich zog meine pullis aus, stand da im t-shirt und spürte wärme ..gigantisch 🙂

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