Danke

nun ist es bald zu ende, dieses jahr.. zeit für eine rückblende ?? oder einfach nur der versuch, ein jahr mit worten zu umspannen..
ich bin ruhig geworden im laufe des letzten jahres.. das war einmal anders, da hatte ich noch visionen und hoffnungen.. ich habe an menschen geglaubt und natürlich auch ihre kraft, die sie gemeinsam entwickeln könnten.. ich sah ständig dieses unerreichbare „wir“ in greifbarer nähe, aber immer ploppte dieses „wir“ kurz vor dem berühren, ähnlich wie eine pusteblume ihre kleinen fallschirmsamen in alle richtungen trägt, wenn der wind sie schüttelt..
und man kann nichts dagegen tun, wenn der wind die minifallschirme erst einmal davon trägt, sie hoch und runter wirbelt, schüttelt und an einem anderen ort dennoch sanft auf die erde gleiten lässt.. früher rannte ich gern mal diesen kleinen fallschirmen hinterher, immer in der hoffnung, sie einfangen zu können, wenigstens für eine kleine weile..fliegen sollten sie doch, sich auch nieder lassen, gern auch wurzeln schlagen ..besonders die wurzeln sollten eine andere botschaft in sich tragen..aber bis zu den wurzeln kann man selten durchdringen.. man kann allenfalls die sanften härchen der kleinen fallschirme berühren, mit viel glück auch noch die zarten verästelungen und nur in den seltesten fällen öffnen sich tiefere wege..
naja 🙂
ich weiss nicht, wir kreieren uns ständig hübsche, bunte blasen.. an die möchten wir auch glauben, sie sind ja existent.. irgendwo an unterschiedlichen orten auf dieser welt gibt es immer wieder richtig schillernde blasen, diese sind nicht wirklich gross, auch nicht wirklich so auffallend aber ihre farbnuancen sind anders.. wir betrachten diese farbveränderten blasen von aussen, philosophieren darüber, verfolgen diese blasen neugierig, lassen die blasen grösser und grösser werden als sie eigentlich sind (hoffnung ist da wohl der antrieb).. nicht wenig wünschen sich, dass eine dieser blasen so gross wird, dass sie aufgrund ihrer erreichten grösse eine veränderung mit sich bringen wird .. damit aber solche wünsche wahr werden, braucht es mehr als philosophieren, diskutieren, werten, beobachten, erkenntnisse und verstehen.. man müsste selbst den regenbogen um sich spannen, jede/r genau da wo man ist.. nicht auszudenken wie es wäre, wenn sich plötzlich lauter regenbogenanfänge und enden miteinander verbinden würden..
aber ich träume schon wieder herum 😉

hab ich etwas gelernt im letzten jahr ?? .. doch schon! ..viel sogar eigentlich und einiges hätte ich tatsächlich auch lieber nicht lernen wollen.. unsere situation hat sich nicht verbessert, sie ist stetig schlecht und aussichtslos geblieben ..was sich aber geändert hat ist, dass es innerlich nicht mehr so weh tut.. das hängt zum einem damit zusammen, dass man gelernt hat los zu lassen und auch angst zu überwinden, zum anderen, dass man sich an den stetig schlechten zustand tatsächlich gewöhnt.. viel wahl hat man ja auch nicht mehr als sich zu arrangieren mit dieser dauerhaften situation.. man richtet sich ein auf dem untersten level und versucht nebenbei möglichst kreativ zu überleben.. sei es nur zur erweiterung des speiseplans z.b. gerichte aus diesteln oder ohren von kaktusfeigen, gesammelten wildfrüchten, wurzeln und kräutern oder herstellen von gegenständen aus dem vielfältigen restmüll von anderen- um nur ein paar beispiele anzuschneiden .. und dann möchten deine hände etwas schaffen..mensch sitzt ungern einfach nur herum und starrt löcher in die luft..du fängst also an etwas zu tun, manchmal auch wirklich sinnlosen kram, nur damit deine hände in bewegung sind und sie ein ergebnis hervor bringen.. man will einfach eine minimale form von bestätitung, dass man noch etwas kann..
schon längstens deiner würde beraubt, ist alles was du machst nur noch ein erhalten der heissen glut.. da ist schon lange kein feuer mehr..ein feuer braucht „nahrung“, kannst du diese nicht mehr beschaffen löscht es sich, zurück bleiben die letzten glutstücke.. du hegst und pflegst sie damit die glut nicht anfängt kleine rauchfahnen zu bilden.. glut darf nicht rauchen, denn dann ist sie auf dem besten weg zu erkalten.. angekommen bei deinem persönlichen häufchen glut lässt auch der schmerz nach, ebenso die hoffnung, sehnsüchte verlieren ihre bedeutung und träume- ach, die träumst du lieber erst gar nicht mehr 😉 ..

trotz alle dem gibt es dieses kleine glück ..etwa, wenn georgios zur tür herein kommt und im wald einen rucksack tollstes holz gesammelt hat ..das ist sogar immer ein doppelter glücksmoment, denn dieses holz landet seit diesem winter in einem ofen, der uns wärmt.. es ist mein erster winter in griechenland, den ich nicht durchfriere (abgesehen von 1 jahr, in dem wir bei der familie von georgios lebten) .. dieser ofen wurde uns geschenkt von einer ganz einmaligen menschin, ohne sie hätte dieses jahr sowieso ganz anders ausgesehen! ..während in manchen regionen von europa ein holzofen als hipp und schick gilt, man sich diesen deswegen gern als nettes accessoire ins wohnzimmer stellt, bedeutet er für uns viel mehr als das ..seine wärme, die er spendet, hat nichts mit schick und hipp zu tun, viel mehr spendet er uns das gefühl von leben 🙂 ..

das jahr hat mich krank werden lassen.. eigentlich ja nicht dieses eine jahr, sondern all die letzten jahre.. es hat sich langsam angeschlichen, hin und wieder fühlte man sich unwohl .. na ok, in meinem alter darf man sich schon mal unwohl fühlen 😉 ..aber dies unwohlsein hatte eine andere qualität und es drückte schon ziemlich genau aus, dass man heute mal nicht nur einen schlechten tag hatte.. ohne krankenversicherung und einkommen aber schiebst du solche anzeichen möglichst weit weg von dir und hoffst, dass diese sich in wohlgefallen auflösen werden.. taten sie aber nicht .. na gut, du versuchst hilfe zu finden ..zuerst sind wir zu unserem hotspot gegangen, das ist eine erste-hilfe-station, die als bindeglied zum nächsten krankenhaus dient.. leider gab es keinen facharzt mehr, der sich hätte meiner annehmen können- wegrationalisiert ..man schickte uns zum nächsten hotspot in einer grösseren stadt, die ca. 50 km von thessaloniki entfernt liegt ..aber auch hier gab es keinen facharzt mehr, der mich hätte untersuchen können- wegrationalisiert..
jetzt könnte man denken, ich hätte doch die möglichkeit in eine der sozialen kliniken zu gehen, die es hier in griechenland gibt ..sicherlich, das hätte ich tun können..aber vielleicht sollte man wissen, dass diese sozialen kliniken nichts anderes sind, als zu gut deutsch ärztehäuser, in denen ärzte in ihrer freizeit menschen ohne krankenversicherung behandeln. überwiegend mit ganz wenig möglichkeiten, da es an entsprechenden gerätschaften mangelt, diese ärzte können kaum mehr tun, als auch nur eine erste notversorgung zu leisten ..auf der suche nach einem arzt landete ich schliesslich in thessaloniki..auch diesmal wäre es ohne die hilfe der familie gar nicht möglich gewesen zum arzt zu gehen, noch die nötigen blutuntersuchungen durchführen zu lassen..
unterm strich kam heraus, dass ich mangelerscheinungen habe durch jahrelange, eher einseitige ernährung.. diese zu beheben wird eine weile dauern, denn die ressourcen meines körpers sind aufgebraucht.. du bist, was du isst <–diese aussage bekam für mich eine neue facette dazu ..

dieses jahr war kein wirklich lebenswertes und dennoch war es voller wundervolle momente, viel freude, glück und lachen ..wo schatten ist, ist auch licht.
wir können immer noch unsere glut hüten, weil die familie uns unterstützt so gut sie kann und wir das grosse glück haben, besondere menschen kennen zu dürfen !! .. menschen, die uns das jahr über ihre helfenden hände gereicht haben- ohne bedingungen daran zu knüpfen.. menschen, die uns durch dieses jahr trugen und einfach da waren, wenn wir dachten, jetzt schnürt es uns schlichtweg die luft ab..
ihr menschen seid es, die uns vertrauen und zuversicht schenken und uns haben immer wieder lächeln lassen..
danke .. danke für all eure hilfe, die mir jedes mal tränen der freude gezaubert und uns tief berührt hat! ..schön, dass es euch gibt 🙂 ..
diese welt ist nicht verloren mit menschen wie euch ! ..

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